Ein Vergleich: 20 Fußballfelder Fotovoltaik oder drei Windräder

Elf Millionen Kilowattstunden pro Jahr soll das 10,9 Millionen Euro teure Wasserkraftwerk im Hochablass-Wehr liefern und damit rund 3.900 * durchschnittliche Augsburger Haushalte mit „grünem“ Strom versorgen.

Ein Vergleich:

Für die gleiche Strommenge wären 110.000 Quadratmeter an Fotovoltaikfläche nötig, also etwa 20 Fußballfelder, mit Investitionskosten von rund 20 Millionen Euro. Oder man bräuchte drei Windräder in einer guten, windreichen Lage in Bayern mit einer Ausbeute von je rund 3,5 Millionen Kilowattstunden pro Jahr; die Kosten dafür sind ähnlich hoch wie für das geplante Wasserkraftwerk.

* Ein durchschnittlicher Augsburger Haushalt verbraucht pro Jahr rund 2.400 kWh Strom; wie in Großstädten üblich, liegt dies aufgrund kleinerer Haushalte unter dem Bundesdurchschnitt.

Zitate:

„Wir wollen bis 2014 alle Augsburger Haushalte mit selbst oder in der AVA erzeugtem, ökologischem* Strom versorgen.“
(*erneuerbare Energie und aus hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung)

„Am Hochablass ist alles da: das Wehr, der gestaute Fluss, die Fallhöhe. Wir müssen nur das Kraftwerk in die bestehende Wehrmauer einbauen; unter Wasser, unsichtbar. Wenn nicht hier, wo sonst?“

Interview mit Herrn Dr. Claus Gebhardt:

Die Stadtwerke Augsburg wollen am Hochablass ein Wasserkraftwerk bauen. Anders als beim von E.ON geplanten Kraftwerk im Lech einige Flusskilometer aufwärts, werden hier die Turbinen in das bestehende Wehr eingebaut. Der Hochablass ist aber ein sensibler Bereich, dient er doch zusammen mit dem Kuhsee auch vielen Augsburgern als Naherholungsgebiet. Deshalb sorgt das Vorhaben bei einem Teil der Hochzoller Bürger für Diskussionen.
Über das geplante Wasserkraftwerk im Hochablass-Wehr sprachen wir mit Dr. Claus Gebhardt, dem Geschäftsführer der Stadtwerke Augsburg:

Wie kommen die Stadtwerke gerade jetzt auf die Idee, in den Hochablass ein Kraftwerk zu bauen?

Dr. Gebhardt: Planungen dazu gibt es vom Tiefbauamt der Stadt Augsburg schon seit vielen Jahren. Mit der Energiewende und dem Beschluss zum Atomausstieg im vergangenen Jahr wurden sie hochaktuell; Kernenergie soll ersetzt werden, am besten durch umweltschonende, erneuerbare Energie.

Was heißt das für die Stadtwerke Augsburg?

Dr. Gebhardt: Die Energiewende geht uns alle an und kann nur in einer gemeinsamen Anstrengung gelingen. Es geht darum, große Kraftwerke zu einem erheblichen Teil durch kleinere, dezentrale Anlagen vor Ort zu ersetzen: Windkraft, Wasserkraft, Fotovoltaik aber auch hocheffiziente Blockheizkraftwerke. Als Stadtwerke sehen wir uns hier natürlich in der Pflicht.

Wie weit sind denn die Stadtwerke Augsburg beim Thema „grüner“ Strom?

Dr. Gebhardt: Wir stehen mit einem Anteil regenerativer Energie von knapp 30 Prozent im bundesweiten Vergleich sehr gut da. (Siehe Grafik). Und rund 30 Prozent unseres Stroms erzeugen wir heute schon selbst, etwa im Kraftwerk im historischen Wasserwerk am Hochablass, in unserer Biomasse-Anlage, in den Windrädern auf der Schwäbischen Alb oder durch Fotovoltaik, aber auch mit hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung im Zusammenhang mit Nah- und Fernwärme.

Warum nun ein Kraftwerk gerade am Hochablass?

Dr. Gebhardt: Wir haben am Hochablass optimale Voraussetzungen: Es können in ein bestehendes Wehr, also ein bereits vorhandenes Bauwerk im Fluss, Turbinen für die Gewinnung von erneuerbarer Energie eingebaut werden, ohne dass in den Lech zusätzlich eingegriffen werden müsste.

Wie wird sich das Wehr damit verändern? Wird es ganz oder in Teilen abgerissen?

Dr. Gebhardt: Nein, das Kraftwerk wird an der Wehrmauer auf der Seite des Kuhsees, unter Wasser eingebaut. Von dem Kraftwerk sieht man also bis auf eine Zugangstreppe nichts. Und das Hochablass-Wehr sieht danach genauso aus wie heute, bis auf eine neue, natürlich gestaltete Fischtreppe im Bereich des Kuhsee-Überlaufs. Für die Fische im Lech ist das eine deutliche Verbesserung, weil sie die Barriere Hochablass endlich überwinden können.

Nicht alle sehen das so positiv. Es gibt von Hochzoller Bürgern auch Kritik. Wie gehen Sie damit um?

Dr. Gebhardt: Wir nehmen die Sorgen sehr ernst; und das ist nicht nur dahingesagt. Die Stadtwerke gehören zu 100 Prozent der Stadt Augsburg und damit den Bürgern dieser Stadt. Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir alle unsere Aktivitäten in den Dienst der Stadt und ihrer Bürger stellen und eine breite öffentliche Unterstützung haben wollen. Deshalb führen wir mit allen, die kritische Einwände haben, einen offenen Dialog: Dort wo Missverständnisse bestehen, wollen wir diese ausräumen, wir wollen die Bürger überzeugen, wir wollen aber auch ihre Anliegen soweit irgend möglich bei der Umsetzung berücksichtigen.

Zum Beispiel bei dem sogenannten „Wasservorhang“?

Dr. Gebhardt: Das ist der Hauptkritikpunkt, dass das Wehr künftig an den meisten Tagen „trocken“ liegt, also das Wasser nicht das gesamte Wehr auf voller Länge überströmt. Für etliche Bürger bedeutet das Plätschern und der Anblick des „Wasservorhangs“ Lebensqualität; diese wollen wir nicht beeinträchtigen. Von unserer Seite aus kann dieser „Wasservorhang“ bestehen bleiben. Voraussetzung ist natürlich, dass er nun rechtlich genehmigt wird, das war er bisher nämlich nicht.

Es gibt also keine Eingriffe in das Naherholungsgebiet?

Dr. Gebhardt: Nein, das ist uns ein großes Anliegen. Nach der Bauzeit von etwa eineinhalb Jahren präsentiert sich der Hochablass wie heute.

Nun sind die Stadtwerke aber auch ein Wirtschaftsunternehmen. Rentiert sich diese Anlage überhaupt?

Dr. Gebhardt: Eindeutig ja. Wir haben uns eine Mindestrendite gesetzt, die klar eingehalten wird. Mittel- und langfristig steigt der Ertrag an, weil Wasserkraftwerke im Unterhalt sehr günstig sind und ohne große Probleme bis zu 100 Jahre laufen. Das ist also eine Investition in die Zukunft, für die nächsten Generationen in Augsburg.

Ist das Kraftwerk nicht zu klein, um einen Beitrag zur Energiewende leisten zu können?

Dr. Gebhardt: Es geht ja darum, dass viele kleine, dezentrale Kraftwerke vor Ort wenige große ersetzen. Und ganz so klein, wie manche behaupten, ist das Kraftwerk nicht. Mit den rund 11 Millionen Kilowattstunden pro Jahr können wir 3.900 durchschnittliche Augsburger Haushalte dauerhaft mit umweltfreundlichem Strom versorgen. (Siehe auch: „Ein Vergleich“.)